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Wenn am Samstagmorgen das Handy klingelt, um mich um 7 Uhr aus dem Bett zu werfen, dann regen sich mitunter Fragen um den Sinn meines Daseins: Ich studiere Lehramt, spiele Schach im Verein und stehe an meinen freien Tagen weitaus zeitiger auf als sonst. Mein Leben ist de facto ein fortwährender, innerer Kampf gegen Zynismus, Misanthropie und das Aussterben von dem Genetiv. Inmitten solcher Betrachtungen möchte man am liebsten in tiefem Selbstmitleid versinken, das Handy gegen die Wand werfen und den wohlverdienten Schlaf fortführen - doch dann fällt mir der Grund ein, weswegen ich mir überhaupt den Wecker gestellt habe. In dem kurzen Abriss meines Lebens fehlt nämlich nicht zuletzt noch das, was mir jeden Tag neue
Hoffnung und Freude am Leben schenkt: Meine 6 kleinen Wonneproppen. Der vierte Spieltag unserer U20 sollte etwas ganz besonderes werden: Denn trotz dass Erik bei seiner Abholung eine ganze Zeit lang mein Klingeln missachtete (Die Gründe hierfür liegen in den Tiefen seiner Kloschüssel verborgen) gelang es uns erstmalig, zum Heimspiel eher am Spiellokal zu sein als die Gastmannschaft. Die ließen jedoch nicht lange auf sich warten und rückten bereits 8.40 ebenfalls im Ärztehaus ein. Psychologische Kriegsführung Die psychologischen Effekte, die ein Schachspiel begleiten, sind weithin bekannt. Oftmals stellen Spieler die unterbewussten, zwischenmenschlichen Spannungen sogar in den Vordergrund ihrer Matchstrategie. Nicht selten greifen auch Jugendmannschaften in Sachsen auf derart unlautere Mittel zurück: Während Leipzig Lindenau vor einem Monat noch dunkle Dämonen heraufbeschwor, um unsere Mannschaft mit dem Höllenspringer einzuschüchtern (svm-jugendschach.de berichtete) setzten unsere Gegner aus Delitzsch auf eine ganz neue Strategie: Sie ließen sich von der griechischen Mythologie inspirieren und versuchten es mit der Sirenenprobe, als sie mit 4 (nicht-hölzernen) Damen anrückten, um die (natürlich hölzernen) Könige zu befehligen. Um es vorweg zu nehmen: Der Schuss ging nach hinten los, denn wir konnten mit einer noch viel mächtigeren Waffe kontern: Er ist charmant, intelligent und gutaussehend und hat nicht zuletzt dieses mitreißende Winner-Lächeln, dem kein Mädchen widerstehen kann: Michael. Unser erstes Brett lenkte an diesem Tag sämtliche funkelnden Blicke der Bewunderung auf seine Person, was den Schachfreund(inn)en aus Delitzsch jegliche Konzentration raubte. ![]() Smart und gutaussehend: Michael Schulz Die Partien Kay kam innerhalb des üblichen, akademischen Viertels als letzter zusammen mit Steffi an, die sich als Schiedsrichterin zur Verfügung stellte. Er nahm an Brett zwei gegenüber von Cornelia Gahn Platz und gab damit den Startschuss für Spieltag 4. An Brett 1 sah sich Michael deren Schwester Juliane ausgesetzt. Der erste entscheidende Impuls kam jedoch - wie immer - vom fünften Brett, an dem David gegen Felix Schuhmacher im Nachzug saß. ![]() Dies wäre eine günstige Gelegenheit gewesen, um aufzugeben. Felix ließ sich aber noch eine ganze Zeit lang die Höherwertigkeit der Dame demonstrieren, um seine Niederlage klassisch im Matt zu besiegeln. 0-1 nach einigem weiteren Geschiebe Zugegeben: Davids Gegner war gerade kein Mädchen. Umso mehr hat es auch mich erschreckt, dass Michaels Zauber dennoch wirkte. Während sich nun die schachbegeisterte Jugend im Spielsaal an ihrer Denkleistung maßen, blieben für die lange schon überalterten Beiwohner dieses Spieltages, Steffi und ich, die Möglichkeiten des Zeitvertreibs eher bescheiden. Der Versuch, sich an der Trinkleistung zu messen scheiterte frühzeitig an den Besitzern der Glühweinstände auf dem Wilkauer Weihnachtsmärktchen. Diese hingen noch fester an ihrem Schlaf als es Kay und Erik zusammengenommen je möglich wäre. So mussten wir selbst gegen 13 Uhr, als die erste Holzbude ihre Klappen schüchtern nach oben schlug (und damit ca. 33% des gigantischen Marktes öffneten), noch eine ganze Zeit lang warten, bis das Getränk der Begierde auch wirklich warm war. In der Zwischenzeit durften wir beim Tag der offenen Tür, zu dessen Anlass Silvia im Nebenraum eine Vielzahl von Kindern empfing, die ersten Spekulationen über die Nachfolger unserer U20 anstellen. Viel interessanter noch gestaltete sich aber die Observation der Delitzscher Spielerinnen, wenn sie zusammen den Spielsaal verließen. Was zunächst nämlich wie eine unerlaubte Partiebesprechung aussah, war in Wirklichkeit das Getuschel über die Wilkauer Geheimwaffe... Doch zurück zum Spielgeschehen. Auch Miguel zeigte an Brett 3 eine starke Leistung, als seine Gegnerin die rechtzeitige Sicherung ihrer wichtigsten Figur vernachlässigte: ![]() ![]() ![]() Zu den beiden Erfolgen, die David und Miguel einbrachten, gesellte sich schließlich auch Kays Sieg an Brett 2. Er führte einen Mehrbauern ins Leichtfigurenendspiel mit gleichfarbigen Läufern und setzte ihn dort schließlich in den vollen Zähler um. Damit waren bereits 3 Punkte eingefahren. Diese Möglichkeit nutzte Michael, um ein Remisangebot zu unterbreiten. Da zu ihm keine Frau nein sagen kann war unser Sieg zeitig besiegelt. Erik reichte am letzten Brett trotz recht gut spielbarer Stellung ebenso der halbe Punkte. Letzlich erspielte auch Isabell eine Punkteteilung, was schließlich zu folgendem Gesamtergebnis führte:
Damit bleibt die Wilkauer U20 weiterhin Tabellenführer und nimmt einen ähnlich geraden Weg wie in der letzten Saison. Doch auch in dieser Saison stehen einige harte Brocken noch vor der Tür, die diese Spitzenstellung auf Herz und Nieren prüfen werden. Die USG Chemnitz und der SV Görlitz sind die nächsten Gegner, die uns im Januar erwarten. Wenn wir dann Migu noch immer so knuddeln können, wie wir es am heutigen Tag erleben durften, sind die Weichen sicher bald gestellt. Bis dahin fließt aber noch eine Menge Wasser durchs schöne Muldental - und eine Menge Glühwein durch die Kehlen der Schachfreunde; denn die Punktspiele haben in diesem Jahr endlich ein Ende gefunden und können den vorweihnachtlichen Freuden weichen, die der Weihnachtsmarkt bereit stellt. Damit möchte auch ich schließen und all meinen Spielern und natürlich dem geneigten Leser ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch wünschen. Markus Bindig | |||||||||||||||||||||||||||||||||
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